Pjaca: Wo einst das Herz von Split in endlosen Gesprächen und Liebesgeschichten schlug

Pjaca: Wo einst das Herz von Split in endlosen Gesprächen und Liebesgeschichten schlug

Wenn es jemals einen Ort gab, der die Essenz von Split einfing, dann war es die Pjaca.
Mehr als nur ein Platz, war sie eine Bühne, auf der das Leben spielte – wo Neuigkeiten sich blitzschnell verbreiteten, Freundschaften geschlossen, Romanzen geboren und hitzige Debatten über Politik und Fußball geführt wurden.

Ein lebendiges, atmendes Theater

Mit Einbruch der Dunkelheit verwandelte sich die Pjaca in ein Freiluftspektakel. Die ältere Generation saß auf den Terrassen der Cafés und beobachtete das Geschehen. Menschen mittleren Alters standen am Rand des Platzes, vertieft in Gespräche, während die jüngeren Einheimischen in synchronen Wellen von einer Seite zur anderen zogen. Es war ein abendliches Ritual, ein sozialer Tanz, der den Herzschlag der Stadt bestimmte.

Doch es ging nicht nur ums Flanieren – es ging darum, gesehen zu werden und Teil von etwas Größerem zu sein. Historiker Anatolij Kudrjavcev beschrieb es treffend: „Auf der Pjaca zu sein, bedeutete, im Zentrum des Geschehens zu stehen, Zeuge und Teilhaber des Stadtlebens zugleich.“ Gespräche hallten über den Platz, verbreiteten die neuesten Gerüchte und verwandelten alltägliche Momente in Legenden.

Der Puls der Stadt

Für Außenstehende mochte das endlose Treiben seltsam oder gar hypnotisch wirken. Schriftsteller Marin Bego fasste dieses Gefühl perfekt zusammen: „Zuerst fragt man sich, warum ihnen nicht schwindelig wird von diesem ständigen Hin und Her. Doch während man noch rätselt, gehen sie einfach weiter – als würden sie von einer unsichtbaren Strömung getragen.“

Für den Romancier Ivan Raos war die Pjaca pure Magie: „Nirgendwo sonst spürt man diese unwiderstehliche Anziehungskraft, mit der Masse zu verschmelzen – eins zu werden mit der Menge, sich in der Wärme all dieser Seelen aufzulösen. Die Luft selbst trug den Duft der Zugehörigkeit.“

Das Ritual der Jugend

Für die Jugendlichen von Split war die Pjaca nicht nur ein Treffpunkt – sie war der Mittelpunkt ihrer Welt. Journalist Milorad Bibić Mosor erinnerte sich an die klare Hierarchie:

„Wenn morgens Schule war, dann gehörte der Abend der Pjaca. Zuhause bleiben? Undenkbar! Wenn die Schule am Nachmittag stattfand, ging nach der letzten Stunde die gesamte Klasse direkt dorthin. Um 20 Uhr war der Platz voller Menschen – jeder an seinem Platz. Die Erstklässler hatten ihren festen Bereich am höchsten Punkt der Pjaca, mit perfektem Blick auf das Geschehen. Jahr für Jahr rutschten sie weiter nach unten, bis sie als Abiturienten schließlich vor dem Plattenladen standen – lauter und selbstbewusster als je zuvor.“

Jeder wusste, wo er hingehörte. Die Ortsfremden standen auf der einen Seite, die älteren Generationen auf der anderen. Die unausgesprochene Regel? Man tauchte nicht einfach auf – man musste dazugehören. Für viele war es der Ort, an dem sie ihre erste große Liebe fanden.

Eine Tradition, die in Erinnerung bleibt

Der legendäre Miljenko Smoje brachte es auf den Punkt: „Die Jugend von Split ist nicht dumm. Sie haben sich den perfekten Platz ausgesucht – mitten im Herzen der Stadt. Sie bewegen sich nicht, und doch sieht jeder jeden.“

Doch die Zeiten änderten sich. Der Rhythmus des Lebens verlagerte sich. Urbanisierung, neue Trends und digitale Ablenkungen ließen das abendliche Ritual allmählich verschwinden. Was einst der soziale Puls von Split war, ist heute nur noch ein Platz.

Und doch – wenn man lange genug dort steht, kann man ihn noch spüren: Ein Echo aus vergangenen Tagen, ein Hauch von Lachen, ein flüchtiger Blick – eine Spur dessen, was die Pjaca einst zur Seele von Split machte.

Würden Sie Pjaca gerne in seinen goldenen Tagen erleben?

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